Der Münsteraner Kreis, eine selbsternannte Expertengruppe, die sich offensichtlich auf die Fahne geschrieben hat Heilpraktiker abzuschaffen oder den Berufsstand auf den Status eines Fachheilpraktikers wissenschaftskonform zurechtzustutzen, lässt in seiner Außendarstellung die Vermutung aufkommen hier wäre breit fundiertes Wissen zur Naturheilkunde und Berufsbild des Heilpraktikers eingeflossen. In Anbetracht der Tatsache aus welch unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen die Teilnehmer kommen, angefangen vom Mediziner, Zahnmediziner, Juristen, Philosophen, Ethiker bis hin zum Ingenieur für Maschinenbau oder sich in Netzwerken gegen die Homöopathie engagierten Buchautoren, fällt es trotz der zahlreichen akademischen Grade und Universitätstitel schwer zu glauben, dass man sich hier nicht ausschließlich einseitig mit dem Thema auseinander gesetzt hat um das Jahrzehnte lange Wirken und Arbeiten des Heilpraktikers zu diskreditieren. Beispielgebend hier die Aussagen der Initiatorin des Münsteraner Kreises, Prof. Dr. med. Bettina Schöne-Seifert: „Das Vertrauen in das Gesundheitssystem müsse gestärkt und der gegenwärtige Irrsinn beendet werden.“ Hier hätte ein wenig seriöse Recherche gut getan. Tatsache ist, dass die Haftpflichtversicherungsbeiträge der Heilpraktiker seit Jahrzehnten zu den mit Abstand am niedrigsten im Versicherungswesen gehören und sogar noch unter denen von Physiotherapeuten liegen, während für Ärzte sogenannte Abwehrprämien existieren.

Basierend auf den Vorschlägen des Münsteraner Kreises fordert der 120. Deutsche Ärztetag 2017 den Gesetzgeber auf, den Schutz von Patientinnen und Patienten bei der Ausübung von Heilkunde und die Rechte von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern so zu gestalten, dass deren Tätigkeit keine Gefahr für die Patientinnen und Patienten darstellt. Beim Vorliegen einer Krankheit die vermutlich über eine Befindlichkeitsstörung hinausgeht, ist der Patient vom Heilpraktiker darauf hinzuweisen, dass ein Arzt aufgesucht werden sollte.  

Wäre die Sache nicht so ernst könnte man in schallendes Gelächter ausbrechen, doch das Lachen bleibt einem im Halse stecken, betrachtet man von welcher Berufsgruppe diese Forderung aufgestellt wird.

Hierzu eine paar Fakten die für sich sprechen:

- Nach Schätzungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK sterben jährlich ca. 19.000 Menschen durch vermeidbare Behandlungsfehler in Kliniken.

- Allein die Techniker-Krankenkasse meldet im Jahr 2016, 4.400 Verdachtsfälle von Behandlungsfehlern und fordert 14 Mio. Euro von Ärzten und Kliniken  für die Folgekosten nach falscher Behandlung zurück.

- Im Jahr 2016 wurden von der Pharma-Branche 40 Mrd. Euro in Deutschland umgesetzt.

- 2015 wurden insgesamt 575 Mio. Euro von 54 Pharmafirmen an Ärzte, Fachkreisangehörige und medizinische Einrichtungen bezahlt.  Etwas mehr als zwei Drittel dieser Ärzte stimmte nicht zu, dass die an sie geleisteten Zahlungen veröffentlicht werden.

- Gemäß einer Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte von Prof. Harald Dormann, Chefarzt der Notaufnahme der Klinik Fürth, kommen 8 Prozent der Notfallpatienten auf Grund von unerwünschten Medikamentennebenwirkungen in die Klinik. Also etwa 1,6 Mio. Bundesbürger pro Jahr, was in Kosten berechnet etwa 2,5 Mrd. Euro direkte Krankenhauskosten verursacht.

- Im Deutschen Ärzteblatt wurde im Jahr 2016 eine Arbeit veröffentlicht, in der man zu dem Ergebnis kommt, dass es bei etwa 42 % der über 65-Jährigen zu einer Polypharmazie kommt, Tendenz steigend. 20-25 % dieser Patienten erhalten inadäquate Medikamente.

Was führt nun dazu, dass dieses wissenschaftliche medizinische blendend vernetzte System, welches offensichtlich erst mal den Besen hervorholen sollte, um vor seiner eigenen Tür zu kehren, einen seit Jahrzehnten schwebenden und nun auf die Spitze des erträglichen geführten Kleinkrieg gegen die Heilpraktiker führt?

Die Erklärung ist erdenklich einfach: GELD!

Betrachtet man die aktuelle Verdienstsituation der Ärzteschaft, dann dürften den Krankenkassen in absehbarer Zeit kaum höhere Honorare, auch nicht durch Streik, abzuringen sein. Die Patiententaktungen geben mittlerweile keinen Spielraum mehr für Mehrverdienst. Bleiben neben anderen Nebenverdiensten eigentlich nur die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGel) mit denen im vergangenen Jahr von den Ärzten ca. 1 Mrd. Euro verdient wurden. Nach einer Umfrage im Auftrag des Wissenschaftlichen Dienstes der AOK gab 2015 jeder Dritte an, Zusatzleistungen auf eigene Rechnung in der Arztpraxis offeriert bekommen zu haben. Und genau hier kommen die lästigen Heilpraktiker ins Spiel. Deckelt sich doch so manche IGel-Leistung mit dem Tätigkeitsfeld des Heilpraktikers.

Gelänge es, diese unliebsamen Mitbewerber loszuwerden, hätte man endlich die so lange erwünschte Monopolstellung im Medizinsystem.

Zusätzlich wären viele, teilweise seit mehr als hundert Jahren bestehenden naturheilkundliche Pharmafirmen nicht nur von ihrer Existenz bedroht, sondern würden diese auch verlieren.

Macht nichts – wessen Brot ich ess, dessen chemisch-Lied ich sing.

Würde das so wissenschafltiche medizinische System, das sich jetzt selbst als Beschützer der Patienten glorifiziert, den Bedürfnissen der Patienten gerecht werden, gäbe es wohl keine Heilpraktiker. Man degradiert geradezu die Patienten, die sich ihre Behandlungen in den Heilpraktikerpraxen größtenteils aus ihrer eigenen Tasche bezahlen, als unfähig selbst zu entscheiden, welchen Therapieweg sie für sich gehen möchten.

Werte Teilnehmer des 120. Ärztetages 2017: Fragen Sie sich doch einfach mal im Rahmen ihrer Qualitätssicherung, wieviele ihrer Patienten wiederkommen würden, müssten sie die Behandlung selbst bezahlen. 

Man würde sich wünschen, dass die Mitglieder des sogenannten Münsteraner Kreises ihre zweifelsohne herausragenden fachspezifischen Qualitäten zum Wohle der Menschen in diesem Land nutzen, ohne die wissenschaftliche Erklärbarkeit zum einzigen Maßstab oder sogar zum ethischen Maßstab therapeutischen Handelns zu erheben und damit die Patienten zu verunsichern.

27.08.2017

 

Thomas Obsieger

Heilpraktiker

Leiter und Inhaber Primus Akademie für Heilpraktiker in Kumhausen

Ziegelfeldstr. 1

84036 Kumhausen